Der ewige Stenz & seine Imzadi

© Felix Herzog

Irgendwann mal, zu grauen Vorzeiten, hatten wir den großartigen Plan gefasst, zu allen Charakteren von M*A*S*H ein passendes Äquivalent in der Popkultur zu finden. Wir hatten den Anfang mit Radar gemacht… und dann das große Vorhaben vergessen.
Heute greifen wir diesen Gedanken wieder auf und finden das Gegenstück zu Hawkeye im München der 80er Jahre:

Monaco Franze – Der ewige Stenz

Wo sind die barbusigen, jungen Frauen, die uns umlagern? Wo?!!

Auf den Wiesen am Rhein lümmeld und uns wie die schmutzigen, alten Männer, die wir sind, gebärend (während wir doch eigentlich ältere, ernsthafte Herren sein sollten!) reden wir über die TV-Serie von Helmut Dietl von 1981, in der titelgebenden Hauptrolle mit dem bayrischen Charakter-Darsteller Helmut Fischer und in Nebenrollen mit vielen bekannten Gesichtern aus unserer Fernseh-Kindheit, wie der Supernase Tommy, dem personifizierten politischen Aschermittwoch, sowie dem Meister Eder und seiner Putzfrau, hochnostalgisch besetzt.

Wir lassen uns von den Machern der Serie den Begriff „Stenz“ definieren und versuchen uns unsererseits an einer eigenen Begriffs-Bestimmung dieses ur-bayrischen Männer-Typus. Wir versuchen zu klären, ob Hawkeye wohl auch ein Stenz ist, und wer sonst noch als Stenz kategorisiert werden könnte – und stoßen dabei nicht nur in Sitcom-Gefilde vor, sondern auch – wenig überraschend – wieder mal in Den Weltraum, unendliche Weiten.

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4 Antworten auf „Der ewige Stenz & seine Imzadi“

  1. Hallo ihr Lieben,

    mein ursprünglicher Implus war der Versuch Hawkeye zu verteildigen, aber ich weiß (noch ;-)) nicht wie ich das rechtfertigen soll oder kann. Ich möchte bei meinen nächsten Ausflügen zu MASH darauf achten, warum sich das für mich so anders darstellt.

    Während ich aufwuchs lief Monaco Franze gefühlt immer und das Wenige was ich davon erhaschte verstand ich nicht. Er ist mir nur grundlegend unsympatisch, was sich beim nun aktuellen Reinschauen bestätigt hat. Hawkeye sehe ich dagegen zu gerne, ich kanns nicht greifen, vielleicht ist er mir auch einfach nur zu fern um ihm manches übel zu nehmen. Aber ich glaube er ist doch ein ganz anderer Mensch als Monaco Franze, ich versuche dem nachzuspüren, kann dauern, aber irgendwann schreibe ich womöglich noch mal was dazu. 😉

    Schöne Folge, herzlichen Dank =)

    LG
    Tanja

    1. Die Wahrnehmungen sind je immer subjektiv unterschiedlich. Ich selbst hatte, ehrlich gesagt, damit gerechnet, dass mir der Monaco jetzt beim rewatch deutlich unsympathischer sein würde als früher, dass sich bei ihm das einstellt, was ich hier jetzt mal den Hawkeye-Effekt nennen könnte, ganz einfach, weil ich es mir bei Hawkeye am stärksten erlebt habe: dass mir bei einer Figur, die mir früher als hallodrischer, sympathischer Held erschien, heute zunehmend negative Seiten auffallen.

      Vielleicht liegt es daran, dass ich den Monaco Franze in all seinen Fehlern auch schon das letzte mal vor zehn oder fünfzehn Jahren (wann immer ich mir die DVD damals zugelegt hatte) auch schon in all seinen Fehlern und Mängeln bewusst war (was ich als Kind nicht wahrgenommen hatte), und mir bei Hawkeye aber eigentlich erst jetzt durch den Podcast-Rewatch die charakterlichen Mängel aufgefallen sind.

      Oder daran, dass sich Monaco Franze und Hawkeye halt doch nicht 1 zu 1 decken: was mir an Hawkeye immer wieder unsympathisch aufstößt, ist sein Drang, sich narzistisch ins Zentrum zu spielen und seine Tendenz, ihm unterlegenere Gegner (wie Burns oder Margaret) regelrecht zu mobben. Eigenschaften, die ich beim Monaco nicht so in der Art wiederfinde.

      Auf der anderen Seite bessert sich Hawkeyes Verhalten gegenüber Frauen im Lauf der Serie, das kann man beim Monaco Franze beim besten Willen nicht sagen.
      Da kann ich schon verstehen, dass Hawkeye besser wegkommt im Vergleich.

  2. Hm, spannend. Ich sehe bei Hawkeye allerdings immer wieder Momente, in denen er sehr klar vom Überdrehten abschalten kann, auch bspw. ggü. Margaret schon früh in der Serie. Außerdem ist es auch eine Frage wie es in den Wald hineinschallt. Für mich stellt es sich so dar, als seien diese Extreme durch die Kriegssituation entfesselt, es geht um Ablenkung und Spaß. Kommt es ernst, kann er den Kindergarten einpacken. Monaco Franze ist mir da zu egoistisch, er steigt Frauen hinterher und lebt (so mein derzeitiger Eindruck) einfach (und damit meine ich nicht per se monetär) auf Kosten anderer.
    Extreme in extremer Belastung kann ich da sehr viel besser sehen und ich kann es auch nachempfinden.

    LG
    Tanja

    1. Das ist ein sehr guter Gedanke. Für den Monaco Franze ist seine Lebensweise eine Art unveränderliche Institution, von der er nicht abrücken kann oder wird. Eine Lebensphilosophie, die er selbst nie in Frage stellen wird.

      Bei Hawkeye sehen wir, zumindest im Fortschritt der Serie und der dadurch enthaltenen Entwicklung des Characters, immer mehr Anhaltspunkte, dass das bei ihm anders ist, dass er selbst durchaus in der Lage ist, sich und sein Verhalten selbstkritisch zu betrachten – und das auch oft genug ganz konkret tut.

      Es wäre interessant, in beiden Fällen, eine Beobachtung dieser Figuren nach dem Ende der Serie anzustellen:
      Wie geht es mit dem Monaco Franze und seiner Ehe weiter? Haben sie wirklich den Boden des Abgrunds erreicht und geht es von da ab nur noch aufwärts, oder bleibt alles im gleichen Trend?
      Wie verhält sich Hawkeye, wenn er aus der Extremsituation Krieg wieder ins normale Leben zurück kehrt, und ist er überhaupt noch dazu in der Lage, ein „normales“ Leben zu führen (was ja für sehr viele Kriegsheimkehrer nur sehr schwer möglich ist)?

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